Wir haben am 30.12.2020 die Predigt des in Amberg geborenen Passauer Bischofs Stefan Oster, welche dieser am 27.12.2020 zum Fest der Heiligen Familie im Passauer Dom gehalten hat, mit der Bitte um Prüfung auf Verstöße (unter anderem) gegen das AGG an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes weitergeleitet. 

“Wir von equality Oberpfalz e.V., einem Verein der sich für die Rechte und Sichtbarkeit von queeren Menschen einsetzt, wollen und können die Predigt von Bischof Oster nicht einfach unwidersprochen im Raum stehen lassen.“, so Alex, 1. Vorsitzender des Vereins.

In seiner Predigt, die unter dem Motto “Ist die klassische Familie heute noch das Normale?“ stand, offenbarte Bischof Oster erneut seine Positionen zu Intergeschlechtlichkeit, Transpersonen und Homosexualität. Unter anderem verglich Bischof Oster Intergeschlechtlichtkeit mit einem „Herzfehler“ und einer “Beeinträchtigung“ und sagte im weiteren Verlauf seiner Predigt, dass es sich bei Homosexualität um eine „Neigung“ handle, die man normalerweise zwar „nicht gewählt“ hätte, aber bei der man spüre, „dass bei diesem Akt …[] etwas nicht passt“ und das Ausleben dieser Neigung eine Sünde ist. Auch eine völlige Transition von Transpersonen wird von ihm in Frage gestellt, obwohl er nach eigenen Angaben „nur ganz geringe persönliche Erfahrung mit solchen Menschen habe“ und er nicht über Transpersonen urteilen möchte. 

Das die katholische Kirche in ihrer Lehre und als Institution, und insbesondere Bischof Oster, mit der Akzeptanz und Toleranz von queeren Menschen grundsätzlich ein Problem hat, ist keine Neuigkeit. Dies stillschweigend hinzunehmen und es zuzulassen, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität ausgegrenzt, herabgewürdigt oder in ihren Gefühlen verletzt werden, ist keine Option, so der Vorstand von equality Oberpfalz e.V. weiter. Wir ärgern uns auch über die Aussage von Bischof Oster, dass Homosexuelle, die  Oster’s Haltung „weder verstehen können, noch wollen;“ aus seiner Sicht lediglich „mit der Forderung der Lehre schlicht überfordert“ seien.  Damit schiebe man die Schuld wieder den Homosexuellen zu, und nicht denen, die ihnen ihre Anerkennung verwehren.

Kritik an seinen Thesen und der Haltung der Kirche sei laut Bischof Oster inzwischen „von solchen politischen Kräften vereinnahmt […], die andererseits nicht automatisch mit christlicher Menschenfreundlichkeit gegenüber jedem Menschen glänzen.“. Damit bringt sich Bischof Oster, und alle, die seine Ansichten teilen, in eine Opferrolle, die ihnen nicht zusteht, denn die Aktivist*innen, die sich für die Rechte von queeren Menschen einsetzen, wollen ganz sicher nicht,  dass Menschen „ins Abseits geraten, wenn sie einfach nur an ihrem katholischen Glauben festhalten wollen – mit dem auch vom Glauben her gewohnten und uns überlieferten Blick auf Familie…“. Sie wollen aber, dass queeren Menschen ebenso Anerkennung und Respekt entgegengebracht wird, auch wenn man es vielleicht nicht versteht oder nicht nachvollziehen kann.  

Wir werden jetzt erst einmal das Ergebnis der Prüfung durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes abwarten und dann über ein weiteres Vorgehen beraten.

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Andy aus Rheinhessen
    10. Januar 2021 14:05

    Ich frage mich immer wieder wie solche Predigten gehalten werden können die kritisch betrachtet die eigenen Reihen und Mitglieder der katholischen Kirche angreifen. Man betrachte hierzu die immer wieder aufkommenden Vorwürfe der Vergangenheit welche sich heute noch halten. Ich bezweifle daß jeder katholische Gottesdiener im innern die Inhalte der Redigt akzeptieren kann….

    Antworten
  • Flo aus München
    17. März 2021 17:39

    Grüß Euch!
    Eine Frage : Was hat die Antidiskriminierungsstelle zu Eurer Anzeige gesagt? Man hat leider nichts mehr gehört…

    Antworten
    • Hallo Flo,

      leider haben wir bis dato noch keine Rückmeldung erhalten. Aus Erfahrung in einer anderen Sache wissen wir aber, dass dies jedoch noch etwas dauern kann.

      LG
      Tom

      Antworten

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