Newsletter Februar/März 

Ergänzende und ausführliche Informationen zu dem Newsletterinhalt vom Februar/März 2021

 

Wichtige Termine im März 2021

Wir wollen – entweder durch Informationen zu wichtigen queeren Tagen, durch eigenständige Aktionen oder durch Beteiligung an Aktionen anderer Organisationen / Initiativen – für mehr Sichtbarkeit unserer queeren Community in der Oberpfalz sorgen.

Wir werden Euch jeweils in unserem Newsletter über die in dem Monat wichtigen queeren Aktions-, Gedenk- und Feiertage informieren. Darüberhinaus findet ihr dazu natürlich auch Informationen auf unserer Homepage sowie auf unseren Social media-Konten bei Instagram und Facebook.

Hier schon einmal ein Hinweis zu wichtigen Ereignissen im März 2021:

01. März 2021: Bisexual Health Awareness Month

Der Bisexual Health Awareness Month, also der Monat, in dem auf bi+sexuelle Gesundheit aufmerksam gemacht werden soll, wird jährlich im März begangen. Der BHAM wurde vom Bisexual Resource Center gestartet und soll Aufmerksamkeit darauf lenken, dass bi+sexuelle Menschen ein erheblich höheres Risiko für schlechte physische und psychische Gesundheit haben als schwule, lesbische oder hetero Menschen, sowie mehr Diskriminierung im medizinischen und psychologischen Sektor erfahren. Jedes Jahr finden online und offline verschiedene Aktionen statt, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen

08. März 2021: Frauenkampftag oder Internationaler Frauentag

Der Frauenkampftag, auch Internationaler Frauentag genannt, findet seit 1921 jährlich am 8. März statt. Der Tag wurde von Frauen der sozialistischen Arbeiter*innenbewegung ins Leben gerufen und wurde damals in verschiedenen Europäischen Ländern und den USA begangen, damals vor allem mit dem Ziel eines gleichen, geheimen und freien Wahlrechts für Frauen. Heute soll der Tag auf die Probleme und Benachteiligungen von Frauen aufmerksam machen, auch und vor allem der Frauen, die mehrfach marginalisiert sind: z.B. be_hinderte Frauen, trans Frauen, Frauen of Color, geflüchtete Frauen etc.

22. März 2021: LGBT Health Awareness Week

Die LGBT Health Awareness Week –  also die Woche zur Sichtbarkeit/Sichtbarmachung queerer Gesundheit – findet jährlich in der letzten Woche im März statt. Diese Woche soll Aufmerksamkeit darauf lenken, dass queere Menschen ein viel höheres Risiko für schlechte physische und psychische Gesundheit haben als hetero und cis Menschen, sowie mehr Diskriminierung im medizinischen und psychologischen Sektor erfahren. Jedes Jahr finden verschiedene Aktionen online und offline statt, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen.

31. März 2021: Transgender Day of Visibility

Der internationale Tag für trans Sichtbarkeit (Transgender Day of Visibility) wird jedes Jahr gefeiert, um die Leistungen und Erfolge von trans und gender-nonconforming Menschen zu zeigen. Gleichzeitig soll Aufmerksamkeit daüfr geschaffen werden, was noch alles erreicht werden muss, um die Leben von trans Personen einfacher zu machen. Den TDoV gibt es seit 2009, da die anderen queeren Feiertage die Erfolge von trans Personen meist nicht feierten.

Community-News aus der Oberpfalz und aus Bayern

Gedenkstele für die Homosexuellen im KZ Flossenbürg

Bereits im vergangenen Oktober sollte das Denkmal zur Erinnerung an die Männer, die als „Homosexuelle“ im Konzentrationslager Flossenbürg und seinen Außenlagern inhaftiert waren, enthüllt werden. Das Denkmal ist bereits seit vielen Jahren ein aktives Anliegen des queeren Zentrums Fliederlich e.V. aus Nürnberg und auch der RESI e.V. aus Regensburg. 
Fliederlich e.V. hat in den letzten Jahren zahlreiche Spenden für die Realisierung gesammelt sowie den Entwurf und die Gestaltung des Denkmals in Auftrag gegeben. Leider ist die Gedenkstele noch immer nicht vollständig finanziert und wir unterstützen daher den Aufruf nach Spenden für dieses Projekt. Für Spenden (ab einer Spende von 100,00 € wird eine Spendenquittung ausgestellt) wurde bei Fliederlich e.V. ein Sonderkonto eingerichtet, hier die Spendenkontonummer für “Gedenken KZ Flossenbürg”:

Fliederlich e.V.
IBAN DE03 7605 0101 0013 7511 85
BIC SSKNDE77XXX
Sparkasse Nürnberg

Hintergrundinformation:

Im Konzentrationslager Flossenbürg wurden zwischen 1938 und 1945 mindestens 379 Männer von der SS als „Homosexuelle“ registriert. Nachweislich 95 von ihnen starben im Lager. Sie waren nicht nur gewalttätigen Übergriffen durch die SS ausgesetzt, sondern wurden auch durch andere Insassen bedroht. Nach 1945 blieb männliche Homosexualität über Jahrzehnte ein strafrechtliches Delikt, wodurch der Opfergruppe lange Zeit der Status als Verfolgte des Nationalsozialismus verwehrt wurde. Das Denkmal ist das erste Erinnerungszeichen, das an die Haftgruppe der „Homosexuellen“ in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg erinnert

Bewerbung Gay Games 2026 in München

Anfang Februar 2021 fiel die Entscheidung über die Städte, die es bei der Bewerbung für die Gay Games 2026 in die Endrunde geschafft haben. Neben Valencia und Guadalajara gehört München zu den drei Finalistinnen. In den kommenden Wochen und Monaten finden jetzt verschiedene Aktionen statt und im November 2021 fällt die endgültige Entscheidung, wo 2026 die Gay Games stattfinden können. Ein eigens für die Gay Games 2026 in München gegründeter Verein aus der Community heraus hat in den vergangenen Monaten schon enorme Arbeit geleistet und wäre dankbar, wenn jede*r in der Community zumindest über die Bewerbung für Gay Games 2026 in München informiert ist.

Genauere Informationen hierzu findest Du unter:

https://www.gaygames2026munich.org/de/

Queeres Zentrum in Regensburg

Aktuell laufen in Regensburg erste Gespräche zwischen verschiedenen, queeren Regensburger Initiativen und Vereinen zur Schaffung eines gemeinsamen Queeren Zentrums für Regensburg und die Oberpfalz. Ziel ist es durch die Schaffung eines Queeren Zentrums zum einen natürlich die verschiedenen queeren Vereine und Initiativen zu vernetzen, die Möglichkeit eines Treffpunktes zu schaffen, Barbetrieb zu ermöglichen und vor allem auch ein bisher für die Oberpfalz kaum vorhandenes Angebot an Beratungen zu diversen queeren Themen auf- und auszubauen.

Strong! LGBTIQ*-Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt

Hasskriminalität gegen LGBTIQ* ist leider nach wie vor ein Thema. Diese kann ganz unterschiedlich aussehen. So fallen darunter Beleidigungen, Mobbing aber auch körperliche Übergriffe und massive Gewalt. In Bayern wird Hasskriminalität gegen LGBTIQ* noch immer nicht durch die Ermittlungsbehörden gesondert erfasst. Daher gibt es bisher nur wenige konkrete Zahlen zur Hasskriminalität gegen LGBTIQ*.

Seit dem Sommer 2020 gibt es nun in München die LGBTIQ*-Fachstelle Strong! Diese im Sub eingesetzte Stelle bietet Beratung und Unterstützung für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und queere Menschen, die Diskriminierung und Gewalt erlebt haben.

Auf die Frage: „Welche Tipps kann man abschließend Menschen geben, die Opfer von Diskriminierung und Gewalt werden?“ antwortete Dr. Michael Plaß (Ansprechpartner Strong!) in einem Interview mit dem LSVD: „Jede Person hat einen eigenen Umgang mit Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen. Für manche ist ein dummer Spruch nur ein Spruch, andere sind wirklich verletzt und sehr verunsichert. Oftmals ist es schwer sich einzugestehen, dass Situationen wirklich Spuren hinterlassen haben, da in der Gesellschaft noch viel zu oft das Eingestehen von Verletzung oder Traumatisierung als Schwäche missverstanden wird. Aber genau dieser Umstand ist fundamental falsch, denn es ist stark, sich den eigenen Gefühlen zu stellen und es ist stark auf Missstände, Diskriminierung uns Gewalt aufmerksam zu machen! Ich möchte jede Person, die eine solche Erfahrung machen musste dazu ermutigen, das zu melden. Auch wenn es nicht darum geht, selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen, so hilft jede Meldung dabei, Homosexuellen- und Trans*Feindlichkeit als gesamtgesellschaftliches Problem zu verdeutlichen. Denn auch wenn in den letzten Jahren viel erreicht wurde, so sind Diskriminierung und Gewalt gegen LGBTI* Menschen immer noch Alltag in Deutschland.“

Genauere Informationen hierzu findest Du unter:

https://www.subonline.org/beratung/strong/

Queer & Politik

Blutspende für Homosexuelle

“Die Diskussion soll mit dem Ziel einer Ergebnisfindung in der nächsten Sitzung, die Ende März 2021 stattfinden soll, fortgesetzt werden” – so lautet die aktuelle Antwort aus dem Bundesgesundheitsministerium auf die Nachfrage zur Liberalisierung der Blutspenderichtlinien.

Laut queer.de habe die Arbeitsgruppe “Blutspende von Personen mit sexuellem Risikoverhalten” bei ihrem Treffen am 27. Januar zwar das De-facto-Spendeverbot für schwule und bisexuelle Männer “intensiv erörtert”, aber bislang kein Ergebnis erzielt.  Die erneute Verschiebung einer Entscheidung (zuletzt vom November 2020 in den Januar 2021) verdeutlicht leider aufs Neue die Verzögerungstaktik bei der Entscheidung.

Am Ende des ganzen Verfahrens sollten in Deutschland auch endlich – wie in vielen anderen europäischen Staaten auch – Blutspenderichtlinien erlassen werden, die sich nicht nach der sexuellen Orientierung und Identität richten, sondern nach dem sexuellen Risikoverhalten.

Änderung des Art. 3 III GG

Aktuell diskutieren die unterschiedlichen Bundestagsfraktionen die Änderung des Gleichheitsartikels 3 im Grundgesetz. Im Absatz 3 soll der darin enthaltene Begriff „Rasse“ ersetzt werden. Das ist wichtig und dringend notwendig. In diesem Zusammenhang haben verschiedene queere Organisationen auch die seit langem geforderte Ergänzung des Art 3 III GG um das Merkmal der „sexuellen Identität“ erneuert.

Der Gleichbehandlungskatalog in Art. 3 Abs. 3 GG war 1949 die demokratische Antwort auf die nationalsozialistische Selektions- und Verfolgungspolitik. Homosexuelle waren von dieser Antwort damals noch ausgeschlossen. Das Grundgesetz hat sie lange Zeit nicht einmal vor schweren Menschenrechtsverletzungen wie der Strafverfolgung nach § 175 StGB geschützt. Auch heute kennt unser Grundgesetz den Diskriminierungsschutz aufgrund der «sexuellen Identität» nicht.

Diese Nichtberücksichtigung schreibt eine zentrale Methode von Homophobie fort: Das Totschweigen von Lesben, Schwulen und Bisexuellen, ihr Marginalisieren und das Bagatellisieren von Diskriminierungen. Das soll nunmehr nach als 70 Jahren Grundgesetz durch die Ergänzung des Gleichbehandlungsartikels beendet werden. In einem erweiterten Art. 3 Abs. 3 GG soll es in Zukunft auch heißen: „Niemand darf wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Aus Sicht der Unterstützer*innen dieser Verfassungsänderung müssen fundamentale Normen des Zusammenlebens wie das Diskriminierungsverbot in der Verfassung für alle Menschen in unserem Land transparent und nachlesbar sein. Das fängt schon dabei an, wenn in der schulischen und außerschulischen Demokratiebildung die Grundrechte behandelt werden. Gerade in einer Zeit, in der Hass und Hetze wieder zunehmen, braucht es eine klare verfassungsrechtliche Absicherung, dass Ausgrenzung, Unterdrückung und Verfolgung in Deutschland nie wiederkehren können.

Auch hier wird eine abschließende Entscheidung vermutlich nicht vor dem Frühjahr 2021 getroffen werden.

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